Kriege des Hoch-Barock, 1650 - 1700


Donnerstag, 07. Dezember 2017

Bild oben: Das Zentrum

 

Trier

 

Ludwig XIV. schickt am 14. Juli des Jahres eine Entsatzarmee unter Marschall Crequy los. Diese soll ursprünglich Condé und seiner Armee helfen, die im Elsaß stehen, aber weil die (gegen Frankreich) Verbündeten den Belagerungsring um das französisch besetzte Trier an der Mosel immer enger ziehen, wird jener Verband dorthin umgeleitet. Bereits am 4. August erreichen die Franzosen dann die Ebene unter dem Liescher Berg, unweit des Örtchens Konz. Nicht weit davon fließt die Saar in die Mosel. Hier lagert man erst einmal, um weitere Befehle abzuwarten.

 

Die Verbündeten lockern den Belagerungsring um Trier wieder und schicken den Franzosen eine Armee entgegen. Diese erreicht in der Nacht vom 10. auf den 11. August die Konzer Brücke, die von den Franzosen nur schwach besetzt wird, und nimmt sie im Handstreich. Die Franzosen in der Nähe sammeln sich zu einem Gegenangriff, doch als sie erkennen, daß da eine ganze Armee heranmarschiert ist, geben sie das Vorhaben lieber auf.  Die Reichstruppen nutzen die Gelegenheit, eine Behelfsbrücke (eine Pontonbrücke aus Booten, die man miteinander verbindet und mit Brettern oder Planken bedeckt). Beim nur anderthalb Marschstunden entfernten Trier sind 4500 Fußsoldaten und 600 Reiter zurückgeblieben, um möglichen Ausfällen der belagerten Franzosen zu begegnen. Tatsächlich versuchen die Franzosen auch wenig später einen Ausfall. Da sie aber nur 700 Mann dafür abstellen, bricht der bald zusammen. Weitere Truppen (3600 Mann Infanterie, 700 Kavalleristen) stehen bei den Belagerungsgeschützen vor Trier, um selbige zu schützen.

 

Bild links: aus der Vogelperspektive

Schlacht

 

Somit stehen am Morgen des 11. August 16000 Verbündete 15000 überraschten Franzosen gegenüber. Um 10 Uhr überqueren die Deutschen den Fluß an vier Stellen: die Konzer Brücke, die Pontonbrücke (Infanterie und Artillerie) und zwei Furten (Kavallerie), siehe Diorama. Generalwachtmeister de Grana, der Befehlshaber des rechten Flügels, nimmt den Franzosen dabei zwei am Ufer ankernde Proviantschiffe ab. Danach wendet er sich der nördlichen Terrasse des Liescher Bergs zu und erobert sie. Von hier aus überblickt man die ganze Ebene und hat ein ausgezeichnetes Schußfeld (wir erinnern uns, Kanonen schießen immer noch auf Sicht). Die Terrasse wird später ihm zu Ehren Granahöhe genannt.

 

Eine Stunde später steht die ganze Armee der Verbündeten auf dem jenseitigen Flußufer, sammelt sich und ordnet sich und greift um 11 Uhr 30 die immer noch nicht fertig aufgestellten Franzosen an. Aber Crequy ist kein militärischer Laie, er bekommt seine Truppe in den Griff und unternimmt Gegenschläge. Fast werden die Verbündeten wieder über den Fluß geworfen.

De Grana greift entscheidend ein und schickt die lothringische Reiterei (2200 Mann) nebst 600 Dragonern (zu jener Zeit noch berittene Infanterie), 4500 Fußsoldaten und 3 Geschützen gegen den Liescher und den Kehlberg. Wie zuvor schon die Brücke haben die Franzosen die beiden Höhen mit viel zu schwachen Kräften gesichert. Als es de Grana gegen 14 Uhr auch noch gelingt, die Höhen von Tawern einzunehmen, sitzt er den Franzosen in Flanke und Rücken im Nacken. Nach drei Stunden Gefecht ist die Schlacht entschieden. Crequy erkennt seine aussichtslose Lage und wendet sich mit seinen Truppen zur Flucht. Die Franzosen verlieren 2000 Tote und 1600 Gefangene, dazu noch Fahnen, Kanonen und Troß. Die Deutschen haben dagegen „nur“ 1000 Mann zu beklagen. Sie verfolgen die Franzosen 50 Kilometer weit bis an die Grenze zum französisch besetzten Lothringen. Dann läßt man vom Gegner ab und wendet sich zurück nach Trier, um die dortigen Franzosen aus der Stadt zu vertreiben.

 

Bild links: Der linke Flügel (der rechte für die andere Seite)

Noch einmal Trier

 

Crequy ist mit einigen seiner Soldaten entkommen. Mit einer List gelangt er durch die Reihen der Belagerer (er hat sich die Uniform eines lothringischen Reiters angezogen) und in die Stadt, wo er das Kommando über die französischen Truppen übernimmt. Er verweigert den Verbündeten jede Kapitulation, bis seine völlig entkräfteten Soldaten von ihm die Nase voll haben und den Deutschen am 6. September die Stadttore öffnen. Von den ursprünglich 6000 Mann in der Garnison ist nur ein Viertel übriggeblieben. Die Belagerer haben lediglich 500 Mann verloren. Die Reste der Garnison dürfen abziehen. Crequy bleibt aber starrsinnig und verschanzt sich mit seinen wenigen verbliebenen Getreuen zum letzten Gefecht im Dom von Trier – das währt nicht lange, und man nimmt ihn gefangenen. Der Trierer Kurfürst überläßt ihn bereits im November Ludwig XIV. will er es sich doch mit seinem mächtigen Nachbarn nicht verderben.

 

Bild oben: Und hier noch einmal das Zentrum

Was spielen wir nach?

 

Sicher hat der Angriff de Granos auf Höhen in Seite und Rücken des Feindes seinen Reiz, wir entscheiden uns jedoch für das Hin und Her, mit Angriff und Gegenangriff, in der Ebene, um uns mit der Taktik dieser Epoche etwas vertrauter zu machen. Deswegen haben wir unsere beiden Armeen auch in traditioneller Weise aufgestellt. Ganz im Zentrum die Artillerie, zu beiden Seiten die Infanterie und an den Flanken die Kavallerie. Franzosen wie Verbündete sind hier ziemlich gleich stark, mit kleinen Unterschieden.

 

Nach unserer Formel, 1 Figur = 40 Soldaten, haben wir hüben wie drüben drei Regimenter in Stellung gebracht, bestehend aus je 5 Einheiten oder 20 Figuren. Eine der Einheiten steht für die Pikeniere, und wir haben bei den Probespielen nicht so recht gewußt, was wir mit den Spießträgern anfangen sollen. Eigentlich sind sie nur noch gegen Kavallerie zum Einsatz gekommen, gegen Infanterie schon seit Mitte des Dreißigjährigen Krieges nicht mehr. Entsprechend sinkt der Anteil der Pikeniere danach auch beständig, und nachdem das Bajonett flächendeckend eingeführt worden ist, braucht man die langen Stangen überhaupt nicht mehr – nur die Schweden sehen das noch 50 Jahre lang ganz anders. Wir befinden uns hier in Zeiten des Übergangs und haben deswegen den Franzosen eine Einheit Bajonett-Musketiere mitgegeben, historisch gesehen waren sie auch die ersten, die das Seitengewehr (der deutsche Name für das Bajonett) eingeführt haben.

 

Übergang auch beim Gewehrfeuer. Zwar werden weiterhin Salven geschossen (die Läufe sind noch zu ungenau und bewirken beim Feind nur dann nennenswerte Verluste, wenn man die Waffen gleichzeitig und in großen Mengen abfeuert). Aber wie am besten? Die einen feuern Reihe um Reihe – diese Taktik wird sich bis ins 19. Jahrhundert hinein durchsetzen -, die anderen stellen ihre Einheiten sechs Reihen tief auf und geben „Pelotonfeuer“ (eigentlich ist Peloton der französische Begriff für unsere Klein-Einheit „Zug“, noch gebräuchlich im Angloamerikanischen als „Platoon“), und dabei feuert ein Peloton nach dem anderen. Anfangs hat das ganze Peloton dabei gleichzeitig Feuer gegeben, doch danach ist es dem Feind ein Leichtes, dem nachladenden und damit wehrlosen Peloton den Garaus zu machen. Also ist man dazu übergegangen, abwechselnd nur die vordere oder die hintere Hälfte Feuer geben zu lassen. Eine ideale Lösung ist das noch nicht, und man ahnt schon, wohin die Reise geht.

Bei der Kavallerie hat man aber eine Lösung gefunden, man reitet dicht an dicht („Knie an Knie“) nebeneinander im Trab zum Feind, bleibt stehen, feuert eine Salve aus Pistolen oder Gewehren ab und reitet dann rasch wieder an, um sich mit gezogenem Säbel auf den Feind zu stürzen. An Kavallerie gibt es im wesentlichen nur Kürassiere, erkennbar am Helm und am Brustpanzer, dem Harnisch. Erst im folgenden Jahrhundert bis hin zum Ersten Weltkrieg kommen immer mehr Gattungen hinzu. Daneben kennt man noch die leichte Reiterei, die aber kaum in der Schlacht eingesetzt wird und der Aufklärung und Verfolgung dient. Sind diese Kürassiere nun als schwere Reiterei (3 KP) oder als gepanzerte Reiter (4 KP) zu werten? Beides trifft zu, und so haben wir den Verbündeten einige Einheiten gepanzerte Reiter gegeben.

 

Bild links: Der rechte Flügel (der linke für die andere Seite)

Figuren

 

Welche Figuren nehmen wir? Die 50 Jahre zwischen dem Dreißigjährigen und dem Großen Nordischen Krieg haben auch beim äußeren Erscheinungsbild der Soldaten einige Wandlungen mit sich gebracht. Die eigentliche Uniform entwickelt sich aber erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Bis dahin richtet man sich nach der jeweils herrschenden zivilen Mode. Nun ist es natürlich nicht so, daß jede neue Mode gleich und gleichzeitig von allen mitgemacht wird. Am ehesten trifft dies auf die Leibgarden oder Garderegimenter zu. Die sind das Lieblingskind des jeweiligen Fürsten und werden entsprechend bevorzugt. Die anderen Regimenter kommen da erst um einiges später dran oder gehen ganz leer aus. Schließlich ist die Neueinkleidung seiner 1000 und mehr Männer für den Regimentsinhaber auch eine Kostenfrage.

 

Im wesentlichen kennen wir vier Haupt-„Uniformen“, und die können alle gleichzeitig auf einem Schlachtfeld auftauchen:

 

Die Ältesten sehen so aus wie in der MARS-Packung „Kaiserliche Söldner in Winterkleidung“ (72049) Stichwort Jacke reicht bis auf Mitte des Oberschenkels.

 

In Frankreich als neuer Modemacht entwickelt sich der Jackenmantel, (MARS 72083) mit allerlei Spitze und Rüschen. Was MARS als „spanische Infanterie“ (72076) anbietet, ist im Grund das Gleiche, die Figuren sind austauschbar. Die Kaiserlichen sind im Osten (Türken) weitgehend mit den langen Jacken aufgetreten, im Westen hingegen gab es hie und da die prächtigere „Mode a la francais“.

 

Ende der 70er Jahre des 17. Jahrhunderts werden dann die Hüte kleiner, und man schließt den Jackenmantel, wie das bei MARS (72102) dargestellt ist.

 

Und ab den 90er Jahren entwickelt sich der Hut zum Dreispitz, und das Ganze wird Uniform, siehe die „Sächsische Infanterie“ bei MARS (72035). Rüschen, Bänder und der ganze andere Firlefanz sind dann verschwunden.

 

Für unsere Konzer Brücke kommen die ersten drei in Frage, und es bleibt dem Spieler völlig unbenommen, für welchen „Uniform-Typus“ er sich entscheidet. Wir haben hier die beiden ältesten gewählt, einfach aus dem Grund, weil wir die schon länger nicht mehr eingesetzt haben.

 

Die Kavallerie bleibt in diesem halben Jahrhundert äußerlich weitgehend gleich, nach der Konzer Brücke tauchen Kürassiere aus, die wie die Infantere gekleidet sind, aber einen Harnisch tragen, die zählen dann aber nicht mehr als gepanzerte Reiterei, sondern als schwere. Und noch später, so um die Jahrhundertwende lassen einige auch den Panzer weg, wodurch sie für uns zur mittleren Reiterei werden (ab dem Großen Nordischen Krieg nennt man sie auch Dragoner, und da gibt es dann keine berittene Infanterie mehr).

 

Wir haben für die Franzosen die gepanzerten Reiter von STRELETS genommen (innerhalb der Packung 035), als Infanterie MARS 72083. Beide sind auf den Photos blaufarbig. – Für die verbündeten Fürsten haben wir MARS 72049 gewählt, dazu als Kavallerie WATERLOO 1815 (033)

 

 

 

Und nun spielt schön und fühlt euch in diese Epoche ein. Wir hoffen, MARS bringt nicht nur neue Osmanen, sondern auch neue „Christenmenschen“.